Der Verein SOKOLIO, in dem auch ich Mitglied bin, der sich die Förderung hochwertiger Speisefette an die Fahnen heftet, hat zum jährlichen Selbsttest gerufen. Bei einer sogenannten Ringverkostung wurden verschiedene Olivenöle eingekauft und getestet. Das Besondere dabei: Die Öle  wurden nicht nur von den SOKOLIO-Ortsgruppen in Wien, Graz und Linz unabhängig verkostet, sondern auch an ein italienisches Panel geschickt. Das Ergebnis ist beeindruckend und unterstreicht die Seriosität, mit der die SOKOLIO zu Werke geht. Profis und privater Verein sind sich einig: Zwei von vier Ölen entsprechen leider nicht der angegebenen Kategorie „nativ extra“.

Olivenöl wird in verschiedenen Qualitätskategorien angeboten. Der Großteil der in den Verkaufsregalen stehenden Produkte wird mit der höchsten Klasse „nativ extra“ oder „extra vergine“ ausgelobt. Das Besondere an Olivenöl: Nicht nur chemische Parameter, wie etwa ein Gehalt an freien Fettsäuren von unter 0,8 Prozent, entscheiden über die Qualitätsstufe, sondern auch eine Verkostung durch professionelle Gruppen, sogenannte Panels. Leider gibt es in Österreich derzeit kein anerkanntes Panel. Mit der SOKOLIO, deren Name sich mit leichtem Augenzwinkern aus den Worten SOnderKOmmission und OLIvenOel ableitet, existiert allerdings ein privater Verein, der ebenso glaubwürdige Ergebnisse liefert. Das zeigt der aktuelle Selbsttest.

Die SOKOLIO hat vier verschiedene Olivenöle eingekauft: Carapelli Classico, das in jedem Supermarkt zu finden ist, das Bio-Olivenöl des steirischen Ölmachers Fandler – Herkunft Spanien, Herdade do Esporão aus Portugal und Ilios Grünes Gold – eine kleine private Marke aus Griechenland. Die Flaschen wurden an die SOKOLIO-Ortsgruppen in Wien, Linz und Graz verteilt und an ein italienisches Panel geschickt. Eine Verkostung durch die SOKOLIO findet immer blind statt. Das bedeutet, die Verkoster wissen nicht, welches Öl sie gerade probieren. Außerdem werden zusammen mit relevanten Proben immer auch andere Olivenöle verkostet. Man weiß also weder welches Öl man gerade testet noch ob es überhaupt ein Olivenöl aus den Flaschen der Ringverkostung ist. Eine Voreingenommenheit, die das Ergebnis beeinflussen könnte, ist somit praktisch ausgeschlossen. Die Resultate der einzelnen Gruppen wurden zu einem SOKOLIO-Gesamtergebnis kumuliert und den Werten aus Italien gegenübergestellt.

Der Ringtest, an dem 22 geschulte SOKOLIO-Verkosterinnen aus ganz Österreich teilgenommen haben, war ein voller Erfolg: Alle Olivenöle wurden von der SOKOLIO fast identisch bewertet wie vom italienischen Panel. Ilios Grünes Gold und Herdade do Esporão sind fehlerfrei und entsprechen der angegebenen Kategorie „nativ extra“. Die Produkte von Carapelli und Fandler haben beide den Fehler „stichig/schlammig“ und sind damit in die zweite Kategorie „nativ“ abzustufen. Die enstprechende EU-Verordnung1 beschreibt diesen Öl-Fehler folgendermaßen: „Typisches Flavour bei Ölen aus Oliven, die unter solchen Bedingungen geschichtet oder gelagert sind, dass sie eine fortgeschrittene anaerobe Gärung durchlaufen haben, oder bei Öl, das in Becken und Fässern mit Dekantier-‚Schlämmen’ in Kontakt war, die ebenfalls eine anaerobe Gärung durchlaufen haben.“ Leider kein gutes Zeugnis für die zwei Markenprodukte.

Die Ergebnisse der SOKOLIO decken sich auch im Detail mit jenen aus Italien. So wurden auch die positiven Attribute Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe gegenübergestellt, die auf einer Skala von 0 bis 10 die Intensität der Öle angeben. Die Fruchtigkeit, der wichtigste Qualitätsfaktor eines guten Olivenöls, wird beschrieben als die „Gesamtheit der von der Olivensorte abhängigen […] charakteristischen Geruchsmerkmale eines Öls aus gesunden und frischen, reifen oder unreifen Früchten.“ Das können Noten von frisch geschnittenem Gras, Tomatengrün oder mediterranen Kräutern ebenso sein, wie von Bananen, Äpfeln und Mandeln.

In Ölen mit einer Fruchtigkeit von 2 und weniger und mit Fehlern findet man diese positiven Attribute nur selten. Gute Olivenöle sollten immer auch eine gewisse Schärfe haben und auch Bitterkeit ist kein negatives Attribut, solange sie nicht dominant hervordringt. Für Laien sei eine Schulung der eigenen Sinne empfohlen und wenn Sie sich nicht sicher sind: Die SOKOLIO testet für einen kleinen Unkostenbeitrag auch ihr Lieblingsprodukt. Wie das geht, erfahren Sie auf www.sokolio.at unter „Öl einreichen“.

1DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) Nr. 1348/2013 DER KOMMISSION, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A32013R1348

ringtest_ergebnis

Erläuterung: Die Werte beschreiben jeweils die Intensität von fruchtig, bitter und scharf sowie die Ausprägung der Fehler von 0 bis 10. Angegeben wird der Median, also der in der Mitte liegende Wert von allen Verkostern (22 Personen beim SOKOLIO-Ergebnis).

Quelle: http://www.sokolio.at/?p=484#more-484